Zum Gedenken der über 2.600 Opfer der Zwangsarbeit in Bönen (1939-1945)

Zwangsarbeiter Bönen
 
Ausmaß

In den ehemaligen 8 Ortschaften der heutigen ­Gemeinde Bönen haben zur Zeit des Zweiten Weltkriegs (1939 - 1945) nach heuti­gen Erkenntnissen (Stand: März 2018) 2.603 Menschen aus 15 Nationen unter Zwangsarbeit ­gelitten: Kriegsgefangene und ­zivile ­Arbeitskräfte unter Einschluss ihrer ­Kinder. Das waren ca. 25 % der damaligen Gesamt-Einwohnerzahl, in Altenbögge wegen des ­Arbeitsplatzes „Königsborn III/IV“ (1.781 aus­ländische Arbeitskräfte) über 40 %.

Der Videoloop nennt die Namen der zur Zwangsarbeit gepressten Menschen und der von der Zwangsarbeit ihrer Eltern betroffenen Kinder.

Einsatz
756 ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren in der Landwirtschaft, bei der Deutschen Reichsbahn, im örtlichen Handwerk, Handel und Gewerbe und in privaten Haushalten eingesetzt. Die zivilen Arbeitskräfte wurden zum größten Teil als „Kriegsbeute“ gewaltsam rekrutiert, aus ihrer Heimat nach Deutschland ­verschleppt und zur Zwangsarbeit gepresst.
(siehe Abbildung unten)

Herkunft, Geschlecht, Familienstand
und Alter

Die Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter und die Kriegsgefangenen wurden nach ihrer Herkunft und nach politischen und rassenideologischen ­Gesichtspunkten in eine Rangordnung gebracht und entsprechend schlecht oder gar unmenschlich ­behandelt.
Den größten zahlenmäßigen Anteil an den „Fremd­völkern“ hatten Polen und „Russen“ („Ostarbeiter“). Unter den zivilen Zwangs­arbeiterinnen (knapp 10 %) und Zwangsarbeitern gab es Verheiratete mit Kindern und ohne, bereits als Familie nach Deutschland verbracht oder erst dort eine Familie geworden. Das Alter reichte unter Einschluss der Kriegsgefangenen von 7 bis 70 Lebensjahren; das ergibt einen Altersdurchschnitt von etwas über 28. Im „Reichs­einsatz“ waren auch Kinder und Jugendliche.

Unterbringung
Untergebracht waren die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Sammellagern und lager­ähnlichen Sammelunterkünften (Gaststättensälen) und auf Bauernhöfen (in einem Scheunenlager oder in der Familie). Das mit Abstand größte Lager war das sog. „Russen­lager“ am Ledigenheim in der Altenbögger Zechen­straße mit im Laufe der Zeit über 1.600 Insassen.
(siehe Abbildung unten)

Arbeits- und Lebensbedingungen
Diese wurden bis in jede Einzelheit geregelt. Richtschnur war das Selbstverständnis des deutschen „Herrenmenschen“. Menschenverachtung und Unmenschlichkeit mit Ausgrenzung, Willkür, ­Schikanen, härtesten Sanktionen und Gewalt bis zur Tötung kennzeichneten den rücksichtslosen Umgang mit den Entrech­teten. Manche von den Unglücklichen fanden aber auch bei einigen ­Deutschen Mitgefühl und Hilfe und damit eine gewisse Erleichterung ihres schweren Alltagslebens.

Krankheit und Tod
Auf den örtlichen Friedhöfen findet man insgesamt 108 Einzel­gräber und 1 Gemeinschaftsgrab. Die Menschen sind eines natürlichen Todes gestorben, aber auch durch den Bombenkrieg und durch ­Arbeitsunfälle, nicht zuletzt an schwerster Mangel­ernährung und an Krankheiten und Seuchen, eine Folge unzureichender ärztlicher Versorgung und katastrophaler hygienischer Verhältnisse in den Unterkünften.
Besonders traurig und erschreckend sind Todesfälle als Folge bruta­ler alltäglicher Gewalt und Selbsttötungen aus Verzweiflung. Sie legen Zeugnis ab von der Unmenschlichkeit der Zwangsarbeit.
Besonders erschütternd ist das Schicksal vieler ­schwangerer Mütter, die im schlimmsten Fall in sog. Entbindungsheimen ­Abtreibung und Tötung ihrer ­Babys durch Vernachlässigung und Hunger erdulden mussten.

Zwangsarbeiter Bönen
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Die nächste Veranstaltung:

13. Januar 2019
Lauf um den Förderturm
Der Nachfolger des bekannten "Lauf um Flierich" der Lauffreunde Bönen findet nun schon zum vierten Mal am neuen Standpunkt statt. >>Mehr

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